medienpiraten.tv

30 November 2006

Singen, scherzen, langweilen

Gerade ARD eingeschaltet und furchtbar erschrocken: Moderiert Harald Schmidt wieder "Verstehen Sie Spaß?"


Screenshot: Das Erste

Ach nee: Bloß Bambi-Verleihung.

Schlamassel

"Upps! Die Superpannenshow" ist eine RTL-Sendung, in der am späten Samstagabend verwackelte Videos von Hobbyfilmern gezeigt werden, die vom Dreirad rutschende Kinder aufgenommen haben, verunglückende Wasserskifahrer, stürzende Bräute oder Missgeschicke mit Haustieren.

"Die lustigsten Schlamassel der Welt"
hingegen ist eine RTL-Sendung, in der am späten Samstagabend verwackelte Videos von Hobbyfilmern gezeigt werden, die vom Dreirad rutschende Kinder aufgenommen haben, verunglückende Wasserskifahrer, stürzende Bräute oder Missgeschicke mit Haustieren.

Und vielleicht fragt sich jetzt jemand: Häh? Was soll das denn? Wozu braucht RTL zwei Sendungen, um dieselben Videos abzuspielen?

Die Antwort lautet: Es sind gar nicht dieselben Videos! Während in "Upps!" vornehmlich Filmchen laufen, die aus dem Ausland kommen, zeigt RTL in "Die lustigsten Schlamassel" Clips, die von deutschen Zuschauern gedreht wurden (logisch, deshalb heißt die Show ja auch "Die lustigsten Schlamassel der Welt"). 150 Tacken gibt's für die Ausstrahlung, wenn man den Knebelvertrag unterschrieben hat, der dem Sender erlaubt, die Pannen bis in alle Ewigkeit auszustrahlen und weiterzuverkaufen.

Und wo muss man das hinschicken, wenn man die Oma gefilmt hat, wie sie von der Schaukel gefallen ist? Genau:
"Schicken Sie uns Ihr Homevideo auf Video, VHS, S-VHS, Hi8, DVD an: Upps! Die Superpannenshow, 20610 Hamburg",
steht bei RTL.de über die Videos, die nachher in "Die lustigsten Schlamassel der Welt" gezeigt werden.

Beide Sendungen werden von der Produktionsfirma Straßenfeger in Hamburg produziert. Die deutschen Videos dürften allerdings aus rechtlichen Gründen nicht mit denen in "Upps!" vermischt werden, heißt es bei RTL. Aha. Na klar.

Vielleicht ist das ja ein Modell für die Zukunft. Wenn Günther Jauch mit "Wer wird Millionär" das nächste Mal in Sommerpause geht, setzt RTL einfach den Kerkeling ins Studio und macht "Deutschland sucht den Millionär". Dann aber bitte ausschließlich mit Kandidaten aus dem Ausland.

27 November 2006

Alles in Butta

Früh am Morgen, wenn man sich noch den Schlaf aus den Augen reibt, um den Tag frisch zu beginnen, kann das Fernsehen unendlich grausam sein. Auf Sat.1 ist heute nach dem Frühstücksfernsehen eine "Promotion" für die CMA gelaufen, in der ein gewisser Carsten mit einer gewissen Conny Haferflockenkekse angerührt hat, um dabei ausführlich über die korrekte Verwendung von "Butta" zu philosophieren.
Conny: Carsten, generell zum Backen nimmt man Süßrahmbutter?
Carsten: In der Regel nehm ich immer Süßrahmbutta, die Sauerrahmbutta eher für herzhafte Gerichte, die mild gesäuerte Butta würde auch noch gehen für Süßspeisen.
Conny: Das ist so der Klassiker in der Küche.
Carsten: Eigentlich schon. Aber für Soßen, da würde ich dann wieder die Sauerrahmbutta nehmen.

Und abgesehen davon, dass man sich fragte, ob Conny und Carsten sie noch alle haben, wüsste man natürlich gerne auch: Muss da am unteren Bildschirmrand nicht "Dauerwerbesendung" stehen statt "Promotion"?

Screenshot: Sat.1

Jetzt wollen wir aber nicht nur meckern, sondern auch noch zeigen, wie schön appetitlich die mit guter CMA-"Butta" gemachten Haferflockenkekse geworden sind:

Screenshot: Sat.1

Bitte kaufen Sie das nicht!

Schön, dass sich die "Galileo"-Redaktion auf Pro Sieben seit einiger Zeit so stark im Verbraucherschutz engagiert und neben verdeckten Mehrwertsteuererhöhungen auch "Mogelpackungen" im Supermarkt enttarnt, bei denen vermeintliche Sparpacks mehr kosten als die reguläre Variante.

Und vielleicht ist es ja auch eine blöde Frage, aber: Was sagen eigentlich die Pro-Sieben-Werbekunden dazu? Also dazu:


Screenshots: Pro Sieben

26 November 2006

Gut überstanden

Es ist ja völlig in Ordnung, wenn die "Welt am Sonntag" der Programmzeitschrift "Hörzu" rechtzeitig zur Jubiläumsausgabe zum 60. Geburtstag gratuliert, vor allem, wenn dabei steht, dass die beiden Titel im selben Verlag erscheinen.

Ein richtiges Porträt wollte die "WamS" aber offenbar nicht schreiben. Also steht jetzt in der einen kleinen Spalte neben den vielen, vielen Bildern von Mecki, Gründer Axel Springer und der "Goldenen Kamera", dass die Zeitschrift von einem dänischen Designer namens Ard gestaltet wurde. Und dass die erste "Goldene Kamera" an Inge Meysel und Hans-Joachim Kulenkampff ging. Und dass die "Hörzu" "ihre Krise in den 90er-Jahren", als "TV Spielfilm" und Nachfolger erstmals erschienen, "gut überstehen" konnte.

Dass die "Hörzu" seit Jahren kontinuierlich an Auflage verliert (2,06 Millionen verkaufte Hefte im Quartal 3/2000, 1,55 Millionen verkaufter Hefte im Quartal 3/2006), das steht in so einem Text aber natürlich nicht...

24 November 2006

Was war nochmal Bol.de?

Jetzt ist es ja vorbei, "Popstars".

Aber man wüsste schon gerne noch: Warum ist soviel darüber diskutiert worden, dass das Monrose-Singlecover in der vergangenen Woche vorab bei Amazon auftauchte, wo es dann mit den beginnenden Diskussionen über Verschwörungstheorien bei Pro Sieben schleunigst wieder entfernt wurde, während es offensichtlich egal war, dass dasselbe Cover die ganze Woche über bis zum heutigen Freitagmorgen nach der Entscheidungsshow genauso bei Bol.de zu finden war:

Screenshot: Bol.de

Am späten Vormittag haben die Bol.de-Mitarbeiter das Cover dann aber doch mal durch ein professionell zusammengeschustertes aktuelles Bild ersetzt:

Screenshot: Bol.de (nicht bearbeitet)

Kauft eigentlich noch wer bei Bol.de? Und wenn ja: warum?

23 November 2006

Das Imperium schlägt zurück

n-tv-Geschäftsführer Johannes Züll dazu, dass Reuters sich mit seinen Videonachrichten gerade im Internet breit macht, und von den TV-Sendern zusätzliche Gebühren für eine Online-Auswertung der überlassenen Bilder verlangt:
"Die Sender der RTL-Gruppe sind einer der größten Kunden der deutschen Reuters-TV-Dienste. Wenn Reuters jetzt glaubt, auf unserem Rücken noch einmal zusätzlich Geld verdienen zu müssen, gibt es zwei Möglichkeiten: Unsere Sender bekommen auch die Internetrechte zur Verfügung gestellt oder Reuters wird künftig nicht mehr das Geld für die TV-Bilder bekommen können, das bisher von uns gezahlt wird."

In Köln scheit man über die neue Konkurrenz nicht besonders glücklich zu sein.

(Der Text dazu steht hier.)

Ziemlich weit hergeholt

So ein "Web 2.0" ist eine feine Sache, wenn man dem ollen Fernsehen endlich mal eins auswischen will. Die "Web 2.0"-Leute sagen: Fürchtet euch, ihr TV-Macher, künftig guckt niemand mehr fern, weil die Zuschauer so beschäftigt sind, sich auf Youtube verwackelte Privatvideos anzusehen, und darüber ganz vergessen, Stefan Raab einzuschalten.

Vor anderthalb Wochen hat sogar die grundseriöse "Welt am Sonntag" angekündigt, es ginge mit dem Fernsehen jetzt zu Ende. Jedenfalls so ähnlich. Eigentlich ging es um Pro Sieben. Weil die "junge Mediengeneration", für die der Sender Programm mache, sich längst lieber im Internet herumtreibe, könne es für den Sender künftig schwierig werden, sein Publikum zu erreichen, stand da. So?

Man muss nur mal einen Blick in die Statistiken der Online-Klick-Zähler werfen, um zu sehen, dass insbesondere Pro Sieben gerade im Netz besser dasteht als so mancher Großverlag, der mit neuem Newsdesk aufwändig ins Portalgeschäft einsteigen will (und dabei händeringend "exklusive" Nachrichten zu produzieren versucht). Im Oktober zählte Prosieben.de laut IVW-Ausweisung mehr als 530 Millionen Page Impressions (also Aufrufe einzelner Seiten). Das ist enorm. Und bedeutet: mehr als 100 Millionen Seitenabrufe vor Bild.de, 200 Millionen vor RTL.de oder Spiegel Online (jeweils im Oktober). Eigentlich unglaublich.

Nein, Prosieben.de ist nicht besonders informativ oder besonders spannend, sondern vollgestopft mit Werbung, nervigen Kooperationen und albernen Spielen. Aber das scheint genau das zu sein, was die Nutzer sehen wollen. Vor allem Mitmach-Foren zu Shows wie "Germany's Next Topmodel" oder "Popstars", die per TV promotet werden, sorgen dafür, dass sich Prosieben.de vor Klicks nicht mehr retten kann.

Man kann Pro Sieben, so wie die "WamS" es getan hat, sicher eine Menge vorwerfen: Dass der Sender derzeit nur schwer wieder zu alter Stärke zurückfindet, dass er in absoluten Zahlen junge Zuschauer verliert und (wer nicht darüber hinweg kommt) zu lange auf Trash gesetzt hat. Aber dass sich ausgerechnet Pro Sieben Sorgen machen muss, das erste Free-TV-Opfer des Internets zu werden, das ist einfach nur ziemlich weit hergeholt.

Aktualisierung, 21.12.: Ein bisschen mehr über den Erfolg von Prosieben.de steht hier in der "taz" (oder hier werbefrei).

22 November 2006

Neues vom "Handy-Net"

"Wenn Sie mehr über Mobilfunktarife wissen wollen, gehen Sie auf unsere Internetseite heute.de", empfiehlt die nette "heute"-Moderatorin im ZDF nach einem Beitrag über die Verpflichtung der Mobilfunkbetreiber durch die Bundesnetzagentur, die meint, es sei langsam mal an der Zeit, die Gebühren für die Weiterleitung von Anrufen aus fremden Netzen zu senken.

Na gut. Klick, klick, Weiterleitung zu ZDF.de:

Screenshot: ZDF.de
(Externer Link: "Mobilfunk-Rechner. Rechner für die günstigsten Anbieter im Handy-Net - eine Kooperation mit www.teltarif.de")

Da soll noch mal einer sagen, beim ZDF würden Sie zuviel Geld für Internetinhalte ausgeben.

21 November 2006

Aus Versehen

Folgendes lässt Pro Sieben auf Anfrage zu den Ungereimtheiten beim Zuschauervoting von "Schlag den Raab" ausrichten:
"Die fünf Kandidaten für die Sendung stehen erst am Samstagnachmittag endgültig fest, da zu jeder Sendung mindestens sechs Kandidaten anreisen. Zur Vorbereitung erhielt die Videotext-Redaktion allerdings bereits am Vortag eine mögliche Liste, die aus einem Versehen nicht mehr aktualisiert wurde. Auf das Ergebnis des Votings hatte das keinen Einfluss: Dorothea und Tim lagen weit abgeschlagen auf den letzten Plätzen."

18 November 2006

Einer wird gewinnen

Was Zuschauervotings angeht, hat Pro Sieben gerade nicht den besten Ruf.

Jedenfalls wüsste man schon ganz gern, ob es wirklich ein Versehen war, dass am Freitag bei Amazon das Single-Cover der neuen "Popstars"-Band auftauchte, samt drei der sechs Finalistinnen, aus denen die Zuschauer am Donnerstag doch erst ihre Band wählen sollen. Pro Sieben jedenfalls dementiert fleißig, dass da was nicht mit rechten Dingen zugehe.

Andererseits: Richtig ernst nehmen sie beim Sender diese Zuschauervotings für 49 Cent pro Anruf bzw. SMS scheinbar auch nicht.

Als Moderator Matthias Opdenhövel in der zweiten "Schlag den Raab"-Show heute abend die Zuschauer aufforderte, aus fünf Kandidaten ihren Favoriten auszuwählen, der gegen Raab antreten soll, gab es folgende Möglichkeiten:

Screenshot: Pro Sieben

Oder - im Pro-Sieben-Videotext während der Werbepause - diese hier:


Wie bitte? Wo ist denn Kandidat Tim geblieben? Und wieso hat Dorothea plötzlich die Kennziffer 1 statt der 2? Egal. Beide sind nach Abschluss des Votings ja eh auf den letzten beiden Plätzen gelandet.

Und wenn man jetzt Lust auf wilde Spekulationen hätte, könnte man sagen: So ein Zufall aber auch.

(Bei RTL können sie ein, äh, Lied davon singen.)

06 November 2006

Mitbestimmung, wie das ZDF sie sich vorstellt

Warum nochmal sitzt in der ZDF-Magazinsendung "Wiso", in der mehr als zwei Drittel der Sendezeit Filmbeiträge mit Verbrauchertipps gezeigt werden, Publikum?

Screenshot: ZDF

Richtig: Damit Moderator Michael Opoczynski einmal in der Woche eine völlig sinnlose Frage stellen kann, die das Publikum per Knopfdruck beantworten darf, ohne dass man wüsste, wozu das gut sein soll. Zum Beispiel so:
"Vor einer Woche konnte man ja noch im Straßencafé sitzen, heute ist es fast schon winterlich, so schnell geht das. Und auf den Straßen gab's die ersten Unfälle wegen Glätte. Ich habe jetzt eine Frage an unsere Gäste hier im Studio: Wie halten Sie es bei Ihrem Auto mit den Winterreifen? Ich gebe Ihnen vier mögliche Antworten vor."

Das Ergebnis:

Screenshot: ZDF

Wie? Sie haben gar kein Auto? Ist doch dem ZDF egal. Da kann man nur hoffen, dass sie es in Mainz beim "Politbarometer" etwas ernster nehmen mit der Meinungsforschung.

Und wenn wir gerade dabei sind: Es ist ja eine schöne Idee, wenn das ZDF seine Magazine inzwischen in 16:9 ausstrahlt - aber es wäre doch recht praktisch, wenn bei den Einblendungen am Bildschirmrand darauf Rücksicht genommen werden könnte, dass noch ein paar Leute keine 107-cm-Bildschirmdiagonale besitzen.

Oder können Sie hier noch lesen, wieviel der Anruf beim "Wiso"-Telefon kostet?

Screenshot: ZDF